Psychologie im Leistungssport // Teil 3 - Das Trainerverhalten

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Psychologie im Leistungssport

Das Trainerverhalten

Definition Führung nach BIERHOFF/HERNER 2002:

Führung bezeichnet den Prozess und das Ergebnis eines sozialen Einflusses, der auf unterschiedlichen Ebenen eines sozialen Systems auftritt.

 

Führung im Sport beschreibt Prozess und Ergebnis des (bewussten) Verhaltens des Trainers gegenüber seiner Trainingsgruppe/Mannschaft.

 

Klassische Einteilung der Führungsstile nach LEWIN:

  1. Autoritäre Führung
  2. Demokratische Führung
  3. Laissez-faire Führung

 

Generell sind Mischformen zwischen den drei Formen denkbar!

 

Beispiel: Autokratischer Führungsstil à Trainer trifft Entscheidungen alleine o. Rücksprache!

Autokratisch-beratender Führungsstil à Entscheidungsfindung mit Rücksprache!

Beratender Führungsstil à Trainer trifft Entscheidung nach Rücksprache

Gruppen-Stil à Trainer berät sich mit seinen Sportlern und trifft Entscheidungen gemeinsam mit den beteiligten Personen

 

Multidimensionales Modell der Führung nach CHELLADURAI 1990

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Fünf zentrale Komponenten des Trainerverhaltens:

  1. Fachliche Anweisung
  2. Demokratisches Verhalten
  3. Autokratisches Verhalten
  4. Soziale Unterstützung
  5. Positives Feedback

 

Vier Komponenten effektiver Führung nach MARTENSEN 1987

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Wünschenswerte Eigenschaften von Führungspersonen:

  • Integrität
  • Flexibilität
  • Loyalität
  • Vertrauen
  • Verlässlichkeit
  • Objektivität
  • Vorbereitung
  • Einfallsreichtum
  • Selbstdisziplin
  • Geduld

 

Situatives Trainerverhalten nach ALFERMANN 2010:

Das Verhalten des Trainers sollte sich nach situativen Gegebenheiten richten:

„…erfolgreiche Trainer und Trainerinnen (…) verstehen [es], ihr Verhalten an situative Bedingungen und an die jeweiligen Athletinnen und Athleten anzupassen.“

 

Als situative Gegebenheiten gelten beispielsweise Gruppengröße, Sportart, Geschlecht, Leistungsniveau, Saisonphase, Alter…

 

Trainerverhalten im Kinder- und Jugendtraining nach SMOLL/SMITH 1984:

  • bei erwünschten Leistungen/Folgen

–>  richtig: loben, positiv bekräftigen

–> falsch: Leistungen als selbstverständlich hinnehmen

  • bei Misserfolgen/Fehlern

–> richtig: Direkt danach ermutigen, Korrekturhinweise geben

–> falsch: Schimpfen, Bestrafen, Missfallen äußern

  • bei Fehlverhalten der Sportler

–> richtig: klare Regeln, Betonung des Teamgeists

–> falsch: ständiges Nörgeln, Schimpfen, unklare Anweisungen

  • allgemeines spontanes Verhalten

–> richtig: präzise, freundlich, ermutigend, Vorbild sein

–>falsch: abwertende Bemerkungen, entmutigende Atmosphäre

 

 

Karriereübergänge

Karrierephasen und Übergänge nach STAMBULOVA 1994:

Phasen Übergänge
Vorbereitung Beginn der Spezialisierung
Beginn der Spezialisierung Übergang zum intensiven Training
Intensives Training einer Sportart Vom Junior zum Senior
Vom Amateur zum Profi
Meisterschaft Von der Meisterschafts- zur Abschlussphase
Abschluss, gefolgt von Nachkarriere Karrierebeendigung

 

Karrierephasen und Personen nach SALMELA 1994:

Individuum Karrierephase
Beginn Entwicklung Meisterschaft Nachkarriere
Athlet/in Spielerisch, freudig Verpflichtet, engagiert Verankert, selbstverantwortlich Mögliche Leere
Trainer/in Emotionale Betreuung Fachliche Betreuung Stark verbunden Entzieht sich oft
Eltern Einfluss hoch Einfluss gering Kaum Einfluss Einfluss hoch
Partner/in Stammt oft aus dem selben Kontext oder „Jugendliebe“ Einfluss hoch

 

Schema des Karriereübergangs nach SCHLOSSBERG 1981

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Ursachen des vorzeitigen Karriereendes nach STOLL/PFEFFER/ALFERMANN 2010

 

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Voraussetzung für einen gelingenden Ausstieg aus dem Sport:

  1. Rechtzeitige Planung (Alternativen schaffen, Vorbereitung während aktiver Karriere)
  2. Freiwilliger Rücktritt
  3. Soziale Unterstützung

 

Psychologische Faktoren und Verletzungen nach WEINBERG/GOULD 2005

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Psychologie im Leistungssport // Teil 2 - Die sportpsychologischen Techniken

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Psychologie im Leistungssport

Mentales Training

Definition Mentales Training nach EBERSPÄCHER 2005:

„Mentales Training ist „das planmäßig wiederholte und bewusste „Sich-Vorstellen“ einer sportlichen Handlung ohne deren gleichzeitige praktische Ausübung.“

Definition Mentales Training nach WEINBERG/GOULD 2003:

„Psychological skills training (PST) refers to systematic and consistent practice of mental or psychological skills.”

Definition Mentales Training nach SCHACK 2006:

„Mentales Training wird zur zielgerichteten Verbesserung oder Stabilisierung einer bestimmten sportlichen Handlung eingesetzt. Dazu wird die interne Repräsentation der Handlung aktiviert und die Ausführung dieser Handlung – möglichst optimal – wiederholt und in einem ausgewählten Kontext mental stimuliert. Diese mentale Stimulation erfolgt ohne beobachtbare körperliche Aktivität.“

Warum Mentales Training?

  • Techniken, die sich nicht unbegrenzt wiederholen lassen (Bob-fahren)
  • Situationen, die sich nur schwer üben und lernen lassen (Elfmeter im CL-Finale)
  • Schnellerer Erwerb und Festigung von Bewegungsabläufen (Tanzkür)
  • Wiedereinstieg nach Verletzungen oder Überbrückung von Verletzungspausen (Einstiegsangst abbauen)
  • Zusätzliche Kompetenzen erwerben (Entspannungsverfahren selbstständig umsetzen)
  • Originär psychische Probleme, die die Leistung einschränken

Psychological Skills Training nach WEINBERG/GOULD 2003:

Sportpsychologische Beratung Klinisch orientierte Beratung
  • Regulation des Aktivierungsniveaus
  • Visualisierung
  • Aufgabenspezifisches Selbstvertrauen (Selbstwirksamkeit)
  • Zielsetzung
  • Konzentration

–> nicht zwangsläufig Sportpsychologen nötig! Wenn erlernt, selbst durchführbar

  • Essstörung
  • Substanzmissbrauch, Abhängigkeit
  • Persönlichkeitsstörung
  • Depression/Angststörung
  • Psychopathologische Auffälligkeiten

–> Sportpsychologen nötig, professionelle Hilfe unabdingbar!

 

Fünf Arten von Mentalem Training nach EBERSPÄCHER 2005

  1. Training von Bewegungsabläufen (Visualisierungà Bewegungsvorstellung)
  2. Training zur Selbstregulierung des Aktivierungsniveaus (optimales Aktivierungsniveau)
  3. Training der Aufmerksamkeitsregulation
  4. Training der Kompetenzerwartung (PrognosetrainingàAnpassung an den Gegner)
  5. Training der Selbstgesprächsregulation (Selbstunterstützung und Selbstmotivation)

 

Mentales Training im Sport:

 

 

MT im SPort

 

 

Probleme beim Einsatz von Mentalem Training:

  • Mangelnde Akzeptanz bei Sportlern und Trainern

–> MT ist generell nutzlos

–> mentale Fähigkeiten sind nicht erlernbar

–> MT ist nur was für Kranke

  • Mangelnde Einbettung in den Alltag

–> MT kostet zu viel Zeit

–> MT wird zum falschen Zeitpunkt implementiert

  • Überzogene Erwartungen

–> Feuerwehrfunktion

 

Entwicklung individueller Programme für das MT:

  1. Aufklärung (bezieht sich auf Sportler und seine Umwelt)

–> Wissen vermitteln über die Methoden, ihre Wirkung und die Notwendigkeit

  1. Entwicklung/Aneignung

–> Identifikation von Stärken und Schwächen, individueller Ziele und geeigneter Maßnahmen

  1. Anwendung

–> Ziele der Automatisierung von Abläufen, der Integration in den Sportalltag und der Stimulation von Situationen

 

Voraussetzungen für MT

  1. Generell: Hohe individuelle Akzeptanz
  2. Das Training des MT muss auf das Individuum abgestimmt sein
  3. Zeit zur Implementierung muss vorhanden sein
  4. Zeit zum Üben im Alltag muss eingeplant werden
  5. Das Training erfolgt immer in entspanntem Zustand
  6. Bei Training von motorischen Fertigkeiten:

–> Die Technik muss gut beherrscht werden oder

–> eine klare Bewegungsvorstellung muss vorhanden sein

–> die Kombination aus mentalem und physischem Training wirkt am besten

 

Ziele des Mentalen Trainings nach MAYER/HERMANN 2010

Ziel: Unterstützung der Entwicklung und des aufeinander Abstimmens der leistungsbestimmenden Faktoren.

Einsatzmöglichkeiten:

  • Optimierung der Wettkampfleistung (z.B. durch Selbstregulierung)
  • Optimierung der Trainingseffektivität
  • Optimierung des Umgangs mit Verletzungen

 

Methode: Visualisierung von Bewegungen

  • Neuromuskuläres Prinzip als möglicher Erklärungsansatz für das MT
  • Genaue Analyse des Bewegungsablaufes (Bewegungsvorstellung entwickeln und Knotenpunkte festlegen
  • Konkretes MT-Programm (WICHTIG: Auf richtige Bewegungsvorstellung achten!)
  • Üben im entspannten Zustand (Entspannungsverfahren lernen)
  • Kombination mit „realem“ Üben

 

Stufenmodell nach EBERSPÄCHER 2001

  1. Detaillierte Beschreibung der Bewegung (durch den Sportler)

–> sehr arbeitsintensiver Prozess

–> Videobeobachtung

–> praktisches Üben bestimmter Bewegungen

–> Erarbeiten von Knotenpunkten

  1. Hervorhebung der Knotenpunkte
  2. Symbolische Markierung und Rhythmisierung der Knotenpunkte (in kurze Worte fassen)
  3. Mentales Training der symbolisch markierten und rhythmisierten Knotenpunkte

–> z.B. physisches Training, Pause mit Mentalem Training, anschließend erneut PT

 

Prozess der Vorstellungsentwicklung nach MAYER/HERMANN 2010:

MT im SPort II

 

Erstellung einer Formel für das MT am konkreten Beispiel „Golfabschlag“:

  1. Detaillierte Bewegungsbeschreibung aus der Innenperspektive des Sportlers
  2. Knotenpunkte in dieser Beschreibung mit Worten markieren (individuell):

Ausgangsstellung (Setup) – Spannung im Rumpf und linken Schulter  (Spann)– Verschiebung in meinem Hüftbereich (Rumm) – langes und hohes Finish (Lang)

  1. Rhythmisierung der Knotenpunkte (ggf. Zusammenlegung von Knoten)

Kurzformel: Setup – Schrumm – Lang

 

Komplexitätsstufen nach MAYER/HERMANN 2010:

  1. Bewegung (ohne Variation) à Turnen, Weitsprung
  2. Bewegung + Variation à Golf, Kajak
  3. Bewegung + Variation + Team à Eiskunstlauf (Paar)
  4. Bewegung + Variation + Gegner à Tennis
  5. Bewegung + Variation + Team + Gegner à Volleyball
  6. Bewegung + Variation + Gegner + Kontakt à Boxen
  7. Bewegung + Variation + Gegner + Team + Kontaktà Handball

 

Mentales Mannschaftstraining nach EBERSPÄCHER & IMMENROTH 1998:

  1. Schritt: Instruktion

–> Darstellung der Aufgabe der Mannschaft (z.B. eine bestimmte Taktik)

  1. Schritt: Selbstinstruktion

–> Individuelle Wiederholung der Instruktion aus der subjektiven Perspektive (individuelles Verhalten)

  1. Schritt: Selbstgespräche
  2. Schritt: Knotenpunkte

–> Individuell relevante Knotenpunkte (der gesamten Taktik)

  1. Schritt: Symbolische Markierung

 

Aufmerksamkeitssteuerung und Psychoregulation

Aufmerksamkeitsfokussierung im Sport nach NIDEFFER/SAGAL 2002

Fokussierung

 

Das Training der Aufmerksamkeitssteuerung dient beispielsweise zur Bewältigung kritischer Situationen im Wettkampf (benötigen eine bestimmte Aufmerksamkeitsteuerung

–> setzen mentaler „Marker“ an bestimmten Fokussierungssituationen

Entspannungstechniken

  • naive Entspannungstechniken (Musik hören, Rituale, Bewegung)
  • Drogen und Alkohol
  • Yoga
  • Autogenes Training
  • Progessive Muskelrelaxation

 

Probleme naiver Entspannungstechniken:

Zeitproblematik, Zwang, Lächerlichkeit von Ritualen, fehlende Systematik

 

Autogenes Training nach SCHULTZ 1932

Formelhafte Autosuggestion mit dem Ziel der Entspannung!

Formeln:    – Ruheformel  –> Ruhezustand erreichen

– Schwereformel  –> Glieder werden schwer

– Wärmeformel –> Glieder werden warm

Wichtig: Zurücknahme! –> Aktivierungsformel: „Arme+Beine fest, tief einatmen, Augen auf“

Grundidee: Selbsthypnose

 

Progessive Muskelrelaxation (PMR) nach JACOBSEN

Wechsel von bewusster Anspannung und Entspannung

–> Anspannung einer Muskelgruppe, Entspannen einer Muskelgruppe, Nachfühlen der Entspannung

–> Systematischer Wechsel zwischen Muskelgruppen

Ziel: Erleben des Entspannungsgefühls

 

Autogenes Training vs. Progressive Muskelrelaxation

Autogenes Training Progessive Muskelrelaxation
Vorteile:

  • leicht im Alltag zu integrieren
  • sehr effektiv
  • breites Anwendungsfeld
Vorteile:

  • leicht zu erlernen
  • erlernbar für Menschen ohne viel Körpererfahrung
  • guter Einstieg in Entspannungsübungen
Nachteile:

  • schwer zu erlernen
  • muss viel geübt werden
  • eher geeignet für „reflektierendere“ Menschen
Nachteile:

  • Anwendung oft nicht sehr praktikabel
  • weniger effektiv/tief
  • nicht übertragbar

 

Zielsetzung

Nach WEINBERG/GOULD 2000 unterscheidet man bei der Zielsetzung drei Ebenen:

  1. Short-Term Goals oder Mini Goals
  2. Medium-Term Goals oder Intermediate Goals
  3. Long-Term Goals oder Milestone Goals

 

Ziele steuern und motivieren Verhalten (können aber auch demotivierend sein)

Man unterscheidet in subjektive und objektive Ziele

Arten von Zielen:

  • Ergebnisse (z.B. Meisterschaft)
  • Leistung (z.B. 15 Punkte in einem Spiel)
  • Verhalten (z.B. 3x/Woche Krafttraining)

 

Zielsetzung muss als kontinuierlicher Prozess gesehen werden, bei dem Anpassungen an Probleme und Veränderungen berücksichtigt werden.

 

Prinzipien effektiver Zielsetzung

  1. Definiere spezifische Ziele
  2. Definiere anspruchsvolle, aber realistische Ziele
  3. Definiere langfristige und kurzfristige Ziele bzw. Teilziele
  4. Definiere Ziele nicht nur anhand des Ergebnisses, sondern anhand konkreten Verhaltens
  5. Definiere Ziele für das Training wie für den Wettkampf
  6. Schreibe die Ziele auf
  7. Definiere den Weg, um die Ziele zu erreichen
  8. Beachte persönliche Eigenschaften und Voraussetzungen
  9. Sorge für Akzeptanz der Ziele
  10. Sorge für soziale Unterstützung und kommuniziere die Ziele
  11. Achte auf die Überprüfung deiner (Teil-)Ziele und suche nach Feedback
  12. Lege die Prioritäten deiner Ziele fest

 

Lesen Sie in Teil 3 – Das Trainerverhalten mehr über die Rolle des Trainers.  Über dessen Führungsverhalten im Leistungs- und Jugendsport. Darüber hinaus können Sie abschließend können Sie konkrete Hilfestellungen bezüglich Karriereübergängen erlernen.

Psychologie im Leistungssport // Teil 1- Die Grundlagen

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Psychologie im Leistungssport

Sportpsychologie: Was ist das?

Definition Sportpsychologie nach NITSCH :

Sportpsychologie ist eine empirische Wissenschaft. Sie untersucht menschliches Verhalten und Erleben, mit dem Ziel es erklären zu können.

Definition Sportpsychologie nach WEINBERG/GOUDIE:

Die Sportpsychologie wendet psychologisches Wissen an dem Gegenstand Mensch an.

Die Sportpsychologie unterstützt Personen bei:

  • Wettkämpfen à Leistung abrufen können
  • Gesundheit erhalten und fördern (Wohlbefinden)
  • Persönlichkeitsentwicklung

–>Die 3 Ebenen der Unterstützung von Sportlern!

Welche Analyseebenen liegen der Sportpsychologie zu Grunde?

  1. Individuum
  2. Soziale Gruppen
  3. Soziale Systeme (Umwelt)

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Allgemeine Leistungsvoraussetzung von Individualsportlern:

  • Motivation
  • Persönlichkeitseigenschaften
  • Selbsteinschätzung
  • Soziale Kompetenzen
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Selbstvertrauen
  • Kognition (Lernen, Attributionen, Denken)
  • Emotionen, Stress, Angst

 

Nach STOLL/PFEFFER/ALFERMANN 2009 haben Individualsportler folgende Anforderungen:

  1. Wettkampffähigkeit (Selbstwirksamkeit, Leistungsmotivation, Stressresistenz)
  2. Individualsportfähigkeit (Wille, Handlungskontrolle)
  3. Besondere Individualsportfähigkeit (Motorische Kontrolle, Kognitives Umbewerten, Situationsanalyse)
  4. Aktuelle Individualsportfähigkeit (Variable Aufmerksamkeitssteuerung, Entscheiden, Aktivierung regulieren, Störende Gedanken ausschalten)

Mentale Fähigkeiten nach VEALEY 1988:

Grundlegende Kompetenzen Leistungsvoraussetzungen Unterstützende Kompetenzen
  • Handlungssteuerung
  • Volition
  • Selbstwahrnehmung
  • Selbstwertgefühl
  • Selbstvertrauen

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Optimale Regulation der…

  • physischen Aktivierung
  • mentalen Aktivierung
  • Aufmerksamkeit

–> sportspezifisch

  • Persönlichkeit
  • Lebensführung

Was ist kritisch bei psychologischen Anwendungen?

  1. Ist Vertrauen für jemanden der von außen kommt überhaupt vorhanden?

–> An welcher Stelle wird Vertrauen relativ unmöglich?

(Unglaubwürdigkeit, Vertrauensbruch, nicht auf Person eingehen, Nicht-Verstehen der „Welt“ des Gegenübers)

–> Verstehe ich, in welcher „Welt“ der Sportler lebt?

  • spezifische Sozialstruktur
  • stark fremdbestimmt/enge Regeln
  • homogener Lebensbereich
  • funktionales Umfeld/Berufssportler
  • Existenzangst/Zukunftsangst/Verletzungsangst
  • Schmerzen/Erschöpfung
  • Flow
  1.  Fehlende Akzeptanz psychologischer Anwendungen, also kein Nutzen
  2. ggf. Kompetenzverlust des Trainers, des Sportlers
  3. Zeitproblematik für psychologische Behandlungen
  4. Signal an Medien und Umwelt
  5. Feuerwehrfunktion (= Problem soll innerhalb kurzer Zeit gelöst werden à hoher Erfolg ohne viel Aufwand!)
  6. Psychologie kann nicht über etwas hinausgehen, was nicht vorhanden ist

 

Sportpsychologische Interventionen

Definition Sportpsychologische Intervention nach NITSCH 2001:

„Unter sportpsychologischer Intervention (…) versteht man allgemein die professionelle Hilfestellung für das Vorbeugen, Erkennen und Lösen psychosozialer Probleme in den verschiedenen Anwendungsfeldern des Sports.“

 

Grundaspekte sportpsychologischer Intervention aus NITSCH 2001:

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Beispiele:

  1. Ziele (Training, Erziehung, Prävention)

–> Motivationsproblem (P); Lebensführung des Sportlers (E)

  1. Strategien (aufgabenzentriert, personenzentriert, umweltzentriert)

–> Depression (PZ); Schule/Familie (UZ); Umgang mit Medien (AZ)

  1. Formen (Informieren, Beraten, Betreuen)

–> fehlendes Problembewusstsein (BER); klinische Auffälligkeiten nach Verletzung (BET)

 

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Sportpsychologische Betreuungsmodelle:

Direkte vs. indirekte Betreuung

Kontinuierliche vs. sporadische/situative Betreuung

Eingeforderte vs. angebotene Betreuung

 

Möglichkeiten der Integration eines Sportpsychologen im Leistungssport:

  1. Ständiger Kontakt des Sportlers mit dem Sportpsychologen (direkte und kontinuierliche Betreuung möglich)
  2. Sportpsychologe als „Anlaufstelle“ bei Problemen (angebotene Betreuung)
  3. Sportpsychologe berät den Sport selbst (direkte Betreuung)
  4. Sportpsychologe berät den Trainer des Sportlers (indirekte Betreuung)

 

Generell lässt sich in Deutschland ein Betreuungsdefizit sportpsychologischer Art für Leistungssportler feststellen.

Bei fehlender Einbindung sportpsychologischer Interventionen in das System des Sportlers ist die Gefahr des Scheiterns der Verfahren gegeben!

 

Lesen Sie im Teil 2 – Die sportpsychologischen Techniken mehr über konkrete Techniken in der Sportpsyhologie wie mentales Training, autogenes Training und progressive Muskelrelaxtion nach Jacobsen.

Fundamentale Bewegungen

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Auch wenn es wahrscheinlich weit über 200 verschiedene Übungen im Fitnessbereich gibt, so lassen sich bei der Mehrheit alle Übungen immer wieder acht unterschiedliche Bewegungsmuster feststellen. Diese acht fundamentalen Bewegungen werden wir in der nächsten Zeit vorstellen. Wenn ihr die Informationen zu den einzelnen Bewegungen sorgfältig lest und verinnerlicht, werdet ihr euch bei allen Übungen verbessern.

Teil 1

Rumpfbeuge und Kniebeuge

Teil 2

Vertikales Drücken und horizontales Drücken

Teil 3

Vertikales Ziehen und horizontales Ziehen

Teil 4

Crunch und Stützvarationen

Nächste Woche geht es los! Seid gespannt!

Euer Athletiktraining Berlin Team

Kritik am Superkompensationsmodell - Teil 1

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Die Problemstellung

„Sportliches Training“ nach Schnabel (1994) und Martin, Carl & Lehnertz (1991) definiert sich als  „Einwirkung auf menschliche Leistungspotenzen durch Eigenaktivität und Übungstätigkeit und als Handlungsprozess zur Entwicklung sportlicher Leistungszustände.“

Das Prinzip der Superkompensation wurde in den vergangenen Jahren zur dominierenden trainingswissenschaftlichen Rahmenkonzeption zur Beschreibung und Erklärung der erläuterten Einwirkungen auf menschliche Leistungspotenzen, besonders, aber nicht ausschließlich im Bereich der konditionellen Fähigkeiten Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer und Beweglichkeit (vgl. Martin 1977).

Die Funktionsweise des Prinzips der Superkompensation ist, dass der Organismus nach einer belastungsbedingten, reversiblen Reduktion der Leistungsfähigkeit (=Ermüdung) in der Erholungsphase die Leistungsfähigkeit wiederherstellt und eine zusätzliche Kompensation über das Basisniveau realisiert wird (Superkompensation). Wird während der Superkompensationsphase ein zusätzlicher Belastungsreiz gegeben, wiederholt sich der Kompensationsvorgang erneut. Dadurch kommt es theoretisch zu einer kontinuierlichen Steigerung der Leistungsfähigkeit (vgl. Abb).

Nach Harre & Schnabel (1993) lässt sich der Trainingsvorgang jedoch nicht auf das Superkompensationsprinzip reduzieren. Die dafürsprechenden Kritikpunkte werden im weiteren Verlauf angeführt und erläutert.

Kritik am Superkompensationsmodell

1. Aspekt: Überzogener Geltungsbereich

Der Geltungsbereich des Superkompensationsprinzips beinhaltete häufig sämtliche trainingsbedingten Anpassungen energetisch dominierter Teilleistungen (konditionelle Fähigkeiten) und wurde für die Konzentration der dafür relevanten energieliefernden Substrate herangezogen. Bisher konnte aber ausschließlich für den muskulären Glykogengehalt diese Annahme (teilweise) bestätigt werden (vgl. Viru 1996 und Blom, Costill & Völlestad 1987), weshalb das Prinzip nur eingeschränkt gelten kann.

2. Aspekt: Ermüdungsproblem

Die notwendige Reduktion der Leistungsfähigkeit vor ihrer Superkompensation spiegelt das Verständnis wider, dass die Ermüdung eines organismischen Teilsystems mit der Störung seiner Homöostase gleichzusetzen sei (vgl. Jakowlew 1972). Problematisch ist jedoch, dass nicht alle organismischen Teilsysteme als spontante Belastungsreaktion eine Reduktion ihrer Leistungsfähigkeit zeigen. Als Beispiele für belastungsbedingte Zunahmen gelten das allgemeine zentralnervöse Aktivierungsniveau und das Aktivitätsniveau des Herz-Kreislauf-Systems. Es kann daher nicht davon ausgegangen werden, dass die Ermüdung und die damit einhergehende reduzierte Leistungsfähigeit der einzige verantwortliche Faktor für die Anpassung ist.

3. Aspekt: Heterochronizitätsproblem

Die sportliche Trainings- oder Wettkampfbelastung spricht eine Vielzahl organismischer Teilsysteme an, die im zeitlichen Ablauf ihrer Wiederherstellung und potenziellen Superkompensation erhebliche Unterschiede aufweisen. Eine allgemeine Betrachtung der komplexen Größe „Leistungsfähigkeit“ ist daher nicht sinnvoll (Beispiel: Ausschließliche Superkompensation am Muskelsystem und Schädigung am Binde- und Stützsystem durch wiederholte unvollständige Wiederherstellung). Vielmehr ist eine Differenzierung in die verschiedenen organismischen Teilsysteme mit ihren unterschiedlichen Belastungsreaktionen für eine sinnvolle Leistungssteuerung notwendig.

4. Aspekt: Linearitäts- oder Kontinuitätsproblem

Die Linearitätsannahme des Superkompensationsprinzips widerspricht zum einen der Trainingswirklichkeit (z.B. Leistungsplateaus) und zum anderen theoretischen Überlegungen (Annahme unendlich möglicher Leistungssteigerungen gegenüber der Annahme individuell genetisch determinierter maximaler Anpassungsreserven).

Im zweiten Teil werden wir einen möglichen Lösungsweg erläutern.

Stay Clean, euer ATB Team!

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Mit Bewegung gegen Neuropathie – Wieso Sport gegen Schmerzen hilft

Schmerzgeplagte müssen sich nicht unbedingt ein striktes Bewegungsverbot auferlegen. Im Gegenteil: Schonung ist vor allem wichtig bei Verletzungen. Andere Beschwerden hingegen lassen sich mit sportlicher Bewegung sogar lindern. Vor allem gegen Rückenschmerzen lässt sich mit Sport viel tun. Wichtig ist jedoch, die richtige Sportart zu wählen – und bei chronischen Schmerzen vorab den behandelnden Arzt zu konsultieren, um Überlastungen zu vermeiden.

Langsam anfangen

In vielen Fällen sind Rückenschmerzen die Folge von Muskelverspannungen oder von Funktionsstörungen. Die richtigen Ansprechpartner zur Behandlung dieser Probleme sind Orthopäden. Und mit diesen sollten Betroffene auch die Möglichkeit zur Bekämpfung der Schmerzen mit gezielten Sportübungen abklären. Denn den Körper bei Rückenschmerzen in eine permanente Schonhaltung zu versetzen, verstärkt häufig das Problem. Beim Einsatz sportlicher Bewegung gegen derartige Leiden gilt jedoch immer: Langsam anfangen – und die Intensität peu á peu steigern. Beginnen kann man dabei zum Beispiel schon mit abendlichen Spaziergängen, um den Körper überhaupt wieder an bestimmte Bewegungsabläufe zu gewöhnen. Besonders empfehlenswert für Schmerzpatienten sind Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren. Auch Nordic Walking, Skilanglauf sowie dehnende und kräftigende Gymnastikübungen sind gut geeignet zur Bekämpfung von Rückenproblemen. Wichtig ist, eine gewisse Regelmäßigkeit zu schaffen, so dass der Körper in ständig wiederkehrenden Intervallen durch Sport gestärkt wird.

Doch die körperliche Komponente ist nur ein Teil der Bedeutung sportlicher Aktivitäten für die Schmerzbekämpfung. Denn da viele Formen chronischer Schmerzen durch Stressfaktoren wie Job oder Haushalt noch verstärkt werden, ist Sport auch als psychologischer Ausgleich wichtig. Er führt dazu, dass sich Verspannungen lösen und der Kopf frei wird. Auch die positive Selbstwahrnehmung, die durch sportliche Betätigung gefördert wird, ist wichtig: Durch körpereigene Belohnungssysteme mittels Hormonen und Botenstoffen wird ebenfalls etwas gegen die Schmerzwahrnehmung getan.

Vorsicht bei Nervenschmerzen

Schmerzhafte Beschwerden im Rücken oder sogar bis hinab in die Beine können allerdings nicht nur orthopädische Ursachen haben, sondern auf Nervenschädigungen hindeuten. So weisen heftige Schmerzen, die vom Gesäß her ausstrahlen, in vielen Fällen beispielsweise auf Probleme mit dem Ischiasnerv hin, wie das Fachportal nervenschmerz-ratgeber.de darstellt. In einem solchen Fall können sportliche Anstrengungen sogar zur Verschlimmerung der Beschwerden führen, denn bei starken Belastungen werden eingeklemmte oder entzündete Nerven noch stärker gereizt und beschädigt. Allein aus diesem Grund ist es wichtig, vor dem Sport genau abzuklären, wo die Ursachen für die eigenen Schmerzen liegen.

Sport eignet sich bei vielen Beschwerden hervorragend als Therapie. Durch körperliche Anstrengung werden Verspannungen gelockert, schwache Muskeln gestärkt und positive psychologische Effekte erzielt. Doch vor dem Einstieg ins sportliche Therapieprogramm sollten Betroffene unbedingt genau feststellen lassen, welche Ursachen ihre Schmerzen haben – um beispielsweise Nervenschädigungen nicht durch Sport zu verschlimmern.

Mit freundlicher Unterstützung von nervenschmerz-ratgeber.de

Faszien-Training lindert Rückenbeschwerden

Faszien-Training

Was gerade in der Presse als “großer Durchbruch” (RTL, N-TV) gefeiert wird ist bei ATB seit geraumer Zeit ein obligatorischer Bestandteil jeder Trainingseinheit. Ein Studie hat nun belegt, dass Faszien-Training Rückenleiden signifikant lindert. Das Faszien-Training gehört unserer Meinung nach in jedes Trainingsprogramm. Mehr über ein effektives Faszien-Training gibt es in der kommenden Serie zur Mobilisation vor Trainingsübungen. Den ersten Teil zur Bedeutung der Mobilisation lesen Sie hier.

http://www.dr-gumpert.de/uploads/pics/Rueckenschmerzen_03.jpg

Abb.1. Wirbelsäule (http://www.dr-gumpert.de/uploads/pics/Rueckenschmerzen_03.jpg)

“Großer Durchbruch”

Klicken Sie hier um den Videobeitrag  zu sehen.

Literatur

http://www.rtl.de/cms/news/rtl-aktuell/rueckenleiden-durchbruch-in-forschung-den-faszien-auf-der-spur-3ac09-51ca-13-1890902.html

http://www.dr-gumpert.de/uploads/pics/Rueckenschmerzen_03.jpg